Tempelbau der Bich-Dong-Pagode mit Steinsäulen, Ziegeldach und bewachsenem Fels im Hintergrund

Nordvietnams Landschaften

Bich-Dong-Pagode: Tempel, Höhlen und Baugeschichte

Die Bich-Dong-Pagode bei Tam Coc: drei Tempelstufen im Kalkberg, historische Inschriften und buddhistische Tradition im Welterbe von Trang An.

Ein Tempelbau im Ensemble von Bich Dong: Stein, Ziegel und Vegetation am Kalkberg. Foto: Ronin / Unsplash · Lizenz

Bich Dong und Tam Coc: benachbart, aber verschieden

Die Bich-Dong-Pagode gehört zur Kulturlandschaft bei Tam Coc in Ninh Binh. Hinter dem Namen verbirgt sich kein einzelner Tempelraum: Drei Heiligtümer liegen auf unterschiedlichen Höhen am Kalkberg. Ha, Trung und Thuong bezeichnen die untere, mittlere und obere Pagode. Der Zusammenhang erschließt sich beim Aufstieg, weil Gebäude, Treppen und natürliche Felsräume nacheinander sichtbar werden. Bich Dong wird sinngemäß als grüne oder jadegrüne Höhle übersetzt; der Name verweist auf das Zusammenspiel von Vegetation und Gestein.

Tam Coc bezeichnet dagegen die drei Höhlen, durch die eine Bootsroute auf dem Ngo Dong führt. Beide Orte werden oft gemeinsam genannt, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen. Auf dem Fluss stehen Wasserwege und Reislandschaft im Vordergrund; Bich Dong zeigt, wie ein Berg für religiöse Zwecke erschlossen wurde. Die Pagode ist deshalb mehr als eine Zugabe zur Bootsfahrt.

Auch die Zahl drei hat jeweils einen anderen Bezug. Bei Tam Coc zählt sie natürliche Durchgänge, bei Bich Dong voneinander getrennte Tempelbauten. Wer diese Unterscheidung beachtet, kann die Landschaft genauer lesen: Ein touristisch zusammengefasster Gebietsname bedeutet weder einen einzigen Baukomplex noch eine durchgehende Wasserverbindung zwischen allen Sehenswürdigkeiten. Der Weg zur Pagode führt durch das ländliche Umfeld von Tam Coc.

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Ein früher Vorgänger und der Ausbau im 18. Jahrhundert

Die regionale Tourismusverwaltung führt den Ursprung der Pagode auf einen kleinen Vorgängerbau von 1428 zurück. Für das heute prägende Ensemble ist jedoch der Ausbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts entscheidend. Nach ihrer Darstellung kamen die Mönche Tri Kien und Tri The 1705 in das Gebiet, setzten das ältere Heiligtum instand und sammelten Unterstützung für die drei Tempelstufen. Frühe Gründung und spätere bauliche Gestalt sind folglich auseinanderzuhalten.

Die Jahreszahl eines Vorgängers datiert nicht automatisch jedes Dach, jede Säule oder jedes Bildwerk. Ein über lange Zeit genutzter Sakralort kann erneuert, erweitert und repariert worden sein, ohne seine religiöse Bedeutung zu verlieren. Die allgemeine Bezeichnung als alte Pagode sagt allein noch wenig darüber aus, welche Teile original erhalten sind. Für einzelne Bauteile wäre eine genauere bauhistorische Untersuchung notwendig.

Die aktuelle Ortsbeschreibung ordnet den Platz Dam Khe und dem heutigen Nam Hoa Lu zu. Ältere Veröffentlichungen nennen Ninh Hai im früheren Verwaltungszuschnitt von Hoa Lu. Diese unterschiedlichen Adressangaben bezeichnen nicht zwei verschiedene Pagoden. Die Geschichte des Ensembles ist älter als seine heutige Verwaltungsadresse.

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Ha-Pagode: Holztragwerk, Steinsäulen und Dachflächen

Am Fuß des Berges bildet die Ha-Pagode den unteren baulichen Schwerpunkt. Die regionale Beschreibung nennt fünf Raumachsen auf einem erhöhten Sockel und ein Tragwerk aus Lim-Holz, das häufig als Eisenholz übersetzt wird. Solche Angaben machen den Bau verständlicher als der bloße Hinweis auf ein geschwungenes Tempeldach: Die räumliche Gliederung beruht auf einer Folge tragender Elemente, die den Innenraum und seine Öffnungen strukturieren.

Zu den markanten Bauteilen gehören monolithische Steinsäulen, also jeweils aus einem einzigen Stein gearbeitete Stützen. Darüber tritt das hölzerne Gefüge von Balken und Dachkonstruktion hervor. Stein und Holz erfüllen unterschiedliche konstruktive Aufgaben und prägen zugleich den visuellen Eindruck. Der erhöhte Unterbau setzt das Heiligtum vom umgebenden Gelände ab; die vorspringenden Dachflächen vermitteln zwischen geschlossenem Innenraum und offenem Vorbereich.

Für die Anordnung der drei Pagoden wird das Schriftzeichen für drei als Vergleich verwendet: drei voneinander getrennte Teile, die zusammengehören. Diese Beschreibung meint keinen mehrgeschossigen Turm. Die einzelnen Gebäude bleiben eigenständige Heiligtümer entlang des Hangs. Gerade diese Trennung lässt den Berg zwischen den Bauten sichtbar und verhindert, dass die gesamte Anlage als ein einziger, kompakter Baukörper erscheint. Das Relief bleibt ein tragender Bestandteil ihrer Gestaltung.

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Trung-Pagode und die Schrift im Fels

An der mittleren Tempelstufe tritt die Verbindung von gebautem Raum und natürlicher Felswand besonders deutlich hervor. Die vietnamesische Denkmalbehörde beschreibt die Architektur als eng an Höhlen und Klippen angelehnt. Der Fels ist damit nicht nur Hintergrund für ein Gebäude: Er begrenzt den Raum selbst. Gemauerte oder gezimmerte Teile ergänzen die vorhandene Form, statt sie vollständig durch eine eigenständige Bauhülle zu ersetzen.

Eine wichtige historische Spur sind die großen Schriftzeichen Bich Dong an der Felswand. Die Denkmalbeschreibung verbindet ihre Ausführung mit dem Besuch des Trinh-Fürsten Trinh Sam im Jahr 1774. Nguyen Nghiem habe die Arbeiten beaufsichtigt. Der Name wurde somit sichtbar in die Landschaft eingeschrieben. Naturraum, Schriftkunst und die Erinnerung an politische Patronage begegnen sich an derselben Stelle.

Eine solche Inschrift lässt sich zugleich als Kunstwerk und als historische Quelle betrachten. Ihre Position macht sie öffentlich wahrnehmbar, während Wortlaut und Überlieferung Aussagen über Benennung und Repräsentation ermöglichen. Sie liefert jedoch keinen vollständigen Bauplan und datiert nicht sämtliche angrenzenden Räume. Für die Einordnung ist gerade dieser begrenzte, konkrete Aussagewert wichtig: Die Schrift belegt eine bestimmte historische Handlung, während die Anlage insgesamt aus mehreren zeitlichen Schichten besteht.

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Warum im Kalkberg Hohlräume entstehen

Die Höhlenräume von Bich Dong gehören zu einem Kalkrelief. Zum Verständnis dieses Baugrunds hilft der geologische Begriff Karst: Er bezeichnet Landschaften, deren Formen wesentlich durch die Lösung wasserlöslicher Gesteine entstehen. Regenwasser nimmt Kohlendioxid aus Luft und Boden auf und wird dadurch schwach sauer. Dringt es in Klüfte und Schichtfugen ein, kann es Kalk lösen und vorhandene Öffnungen allmählich erweitern.

Ein Höhlenraum wird deshalb nicht einfach wie eine Kammer aus einem massiven Block herausgeschnitten. Wasser folgt bevorzugten Wegen im Gestein, verändert sie und verknüpft einzelne Hohlräume. Später können mineralreiche Tropfen an Decken und Böden wieder Material ablagern. Lösung und Ablagerung sind unterschiedliche Vorgänge, die innerhalb eines Höhlensystems nebeneinander oder zeitlich versetzt auftreten können. Felsoberflächen erzählen daher eine längere Geschichte als die darauf errichteten Heiligtümer.

Diese allgemeine Erklärung ersetzt keine geologische Detailaufnahme der einzelnen Bich-Dong-Höhle. Sie macht aber verständlich, weshalb die Architektur auf unregelmäßige Raumformen reagiert und warum natürliche Decken nicht wie ein gleichmäßig konstruiertes Gewölbe aussehen. Beim Betrachten lassen sich somit zwei Gestaltungskräfte unterscheiden: die langfristige Entwicklung des Gesteins und die vergleichsweise junge menschliche Nutzung der entstandenen Räume. Beide prägen den Ort, beruhen jedoch auf völlig verschiedenen Prozessen.

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Die Dunkle Höhle als religiöser Innenraum

Oberhalb der mittleren Pagode liegt die als Dunkle Höhle bezeichnete Grotte. Die lokale Beschreibung hebt dort Buddhafiguren und eine große Bronzeglocke hervor, deren Guss auf 1707 datiert wird. Damit ist der Hohlraum nicht bloß ein Durchgang zwischen zwei Aussichtspunkten. Durch die Aufstellung religiöser Gegenstände erhält er eine Nutzung, die über seine natürliche Entstehung hinausgeht. Die Höhle wird zu einem Teil des Sakralensembles.

Die Glocke gehört dabei zu einer anderen Materialwelt als der umgebende Kalk. Sie wurde gegossen und an einen ausgewählten Platz gebracht; die Felswand war bereits vorhanden. Bildwerke, Glocke und Höhlenraum bilden zusammen eine gestaltete Umgebung. An ihnen lässt sich erkennen, wie ein Naturraum religiös besetzt wird, ohne dass jede seiner Oberflächen baulich überformt werden muss.

Bei der Beschreibung solcher Räume ist zwischen sichtbaren Objekten und ihrer Deutung zu unterscheiden. Eine Buddhafigur lässt sich als religiöses Bildwerk benennen; ihre genaue Werkstatt, Entstehungszeit oder ursprüngliche Aufstellung erfordern zusätzliche Belege. Auch die Datierung einer Glocke sagt noch nichts über das Alter aller benachbarten Figuren aus. Die Dunkle Höhle ist deshalb am besten als gewachsener Andachtsraum zu verstehen, dessen einzelne Bestandteile nicht zwangsläufig aus derselben Phase stammen.

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Thuong-Pagode und das Ideal des Mitgefühls

Die obere Thuong-Pagode wird von der aktuellen regionalen Ortsbeschreibung Avalokiteshvara zugeordnet. Dieser Bodhisattva verkörpert im buddhistischen Verständnis das Mitgefühl. Ein Bodhisattva ist in diesem Zusammenhang eine Gestalt, deren Weg zur Erleuchtung untrennbar mit dem Beistand für andere Wesen verbunden ist. Das Heiligtum erhält damit eine inhaltliche Bedeutung, die sich aus seiner erhöhten Lage allein nicht erschließen lässt.

Die kunsthistorische Referenzsammlung des Getty betont, dass Avalokiteshvara in unterschiedlichen Kulturen verschieden dargestellt wird, sowohl männlich als auch weiblich. Der gemeinsame religiöse Bezug bedeutet also nicht, dass überall dieselbe äußere Gestalt erscheinen muss. Für das Verständnis buddhistischer Bildwerke ist diese Vielfalt wichtig: Eine einzelne Darstellung darf nicht zum verbindlichen Muster für sämtliche Länder und Epochen gemacht werden.

An Bich Dong verbinden sich die räumliche Folge der Tempel und ihre religiöse Nutzung. Der Aufstieg führt durch unterschiedliche Umgebungen, doch daraus lässt sich ohne weitere Belege keine festgelegte symbolische Stufenlehre ableiten. Sicherer ist die Betrachtung der jeweils benannten Heiligtümer und Gegenstände. Die obere Pagode ist ein Ort der Verehrung innerhalb des Ensembles; der Ausblick ergänzt diese Funktion. Wer nur das Panorama wahrnimmt, übersieht einen wesentlichen Teil des kulturellen Zusammenhangs.

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Brücke, Tor und der Übergang zum Berg

Der bekannte Zugang zur Bich-Dong-Pagode führt über eine Steinbrücke und durch ein aufwendig gestaltetes Tor. Die nationale Tourismusdarstellung beschreibt davor einen Lotusteich, der im Sommer blühen kann. Wasserfläche, Tor und Berg ergeben die häufig fotografierte Ansicht. Sie zeigt allerdings erst den Eingang. Die höher liegenden Heiligtümer lassen sich aus dieser Perspektive nicht als vollständiges Ensemble überblicken.

Räumlich entsteht eine Folge klar unterscheidbarer Bereiche: zuerst der offene Vorraum am Wasser, dann der Hof und schließlich die Wege am Hang. Die Brücke bündelt die Bewegung auf einen schmalen Zugang. Das Tor markiert eine Schwelle, während der dahinterliegende Hof wieder mehr Raum eröffnet. Diese Abfolge erklärt, weshalb der Besuch trotz der überschaubaren Ausdehnung mehrere unterschiedliche Raumeindrücke vermittelt.

Bich Dong wird weiterhin als buddhistischer Ort behandelt. Die nationale Tourismusinformation nennt bedeckte Schultern und Knie als angemessene Kleidung. Diese konkrete Vorgabe gehört zur religiösen Nutzung und nicht lediglich zu einer fotografischen Kulisse. Auch die Treppen bestimmen den Charakter des Ortes: Der Weg zu den oberen Teilen ist ein Aufstieg durch den Bergraum. Das flach zugängliche Eingangsmotiv darf daher nicht mit einer stufenlosen Erschließung des gesamten Ensembles verwechselt werden.

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Ein Sakralort innerhalb einer geschützten Kulturlandschaft

Bich Dong gehört zum Landschaftszusammenhang von Trang An, den die UNESCO als gemischtes Kultur- und Naturerbe anerkennt. Geschützt wird damit nicht nur ein einzelnes eindrucksvolles Gebäude. Zum Gebiet gehören Karstformen, Höhlen, archäologische Fundstellen und Spuren menschlicher Nutzung. Die Pagode macht eine bestimmte Beziehung besonders anschaulich: Menschen haben vorhandene Felsräume in ihre religiöse Lebenswelt eingebunden und durch Architektur ergänzt.

Der Welterbestatus bedeutet allerdings nicht, dass jedes Dach oder jede sichtbare Reparatur aus einer einheitlichen historischen Epoche stammt. Er bezieht sich auf die Bedeutung und den Zusammenhang der geschützten Landschaft. Für ihre Erhaltung nennt die UNESCO unter anderem die Steuerung touristischer Nutzung, Forschung und den Schutz archäologischer Orte. Solche Aufgaben betreffen sowohl Naturflächen als auch die kulturellen Zeugnisse innerhalb des Gebiets.

Bich Dong lässt sich deshalb auf mehreren Maßstabsebenen betrachten. Im Detail stehen Säulen, Schriftzeichen und Kultgegenstände; auf der Ebene des Ensembles verbinden Wege die drei Tempelstufen; im weiteren Umfeld gehören Wasser, Felder und Kalkberge zum Zusammenhang. Keine dieser Ebenen erklärt den Ort allein. Erst ihr Zusammenspiel zeigt, weshalb die Pagode für Ninh Binh charakteristisch ist: Sie nutzt den Berg als Raum und bewahrt zugleich dessen sichtbare Eigenständigkeit.

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Redaktioneller Stand: 29. Oktober 2026.